Asklepios Kliniken
Bild: Skytreeturm Tokio
Olympia 2020. Coronakrise. Absage.

Olympia 2020 - Von zerplatzten Träumen und dem Blick nach vorne

Fast jeder Leistungssportler träumt von einer olympischen Medaille. Der Weg dorthin ist immer von vielen Anstrengungen und Entbehrungen gekennzeichnet. Doch nun ist dieser Traum für die Athleten vorerst geplatzt.

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Medaillen erst im nächsten Jahr

Nach langem Zögern entschied das Internationale Olympische Komitee (IOC) am 24. März 2020: Die Olympischen Spiele und auch die Paralympischen Spiele werden auf 2021 verschoben. Ein herber Schlag, vor allem für all die Sportler, die sich seit vielen Monaten akribisch auf dieses große Ereignis vorbereiten.

Doch die Coronapandemie macht eine sichere Austragung der Spiele unmöglich. Im exklusiven Interview sprechen Ingrid Unkelbach, die Leiterin des Olympiastützpunkts Hamburg/Schleswig-Holstein (OSP) sowie Thomas Plößel, Olympia-Bronze-Medaillengewinner im Segeln und Kaderathlet über Trainingsverbote, die Reaktionen der Topathleten und den neuen Fahrplan für Tokio 2021. 

Emotional betrachtet ist die Verschiebung der Olympischen und Paralympischen Spiele eine Katastrophe!

Ingrid Unkelbach Leiterin des Olympiastützpunkts Hamburg/Schleswig-Holstein (OSP)

Bild: Ingrid Unkelbach

Eine
Perspektive
Für alle 
Beteiligten

Interview: Janina Darm
Foto: © Close Distance Productions

Frau Unkelbach, wann haben Sie erstmals realisiert, dass die Corona-Pandemie die Welt – und damit auch das Sport-Universum – lahmlegen wird?

Das war um den 12. März herum, als sich die Situation der Corona-Pandemie in Deutschland spürbar zuspitzte und die Bundesregierung in der Folge das Kontaktverbot sowie weitere Beschränkungen verkündete. Zu diesem Zeitpunkt wurde deutlich, dass auch die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele auf der Kippe steht.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) zierte sich längere Zeit, dann wurden die Sommerspiele 2020 doch abgesagt und aufs kommende Jahr verschoben. Mit welchem Gefühl haben Sie die Nachricht aufgenommen? 

Ich war im ersten Moment erleichtert. Denn endlich war Schluss mit dieser Ungewissheit, mit der wir uns seit Wochen herumgetragen hatten. Die Verschiebung war das einzig Richtige und bietet trotz aller Umstände eine Perspektive für alle Beteiligten.

Sie stehen mit vielen Hamburger Athleten in Kontakt. Wie haben sie auf die Entscheidung reagiert?

Zunächst einmal muss man sich klar machen: Die Sportler haben seit Jahren intensiv auf die Sommerspiele hingearbeitet. Viele sind jetzt nahezu in Topform, wollen sich beweisen, waren komplett auf Olympia fokussiert. Sie haben ihr gesamtes Leben auf die Spiele ausgerichtet und alles dem großen Traum der Teilnahme untergeordnet. Für viele bricht vor diesem Hintergrund gerade eine Welt zusammen! Aus rationaler Sicht halten sie die Verschiebung der Veranstaltung für absolut richtig und notwendig. Emotional betrachtet ist die Entscheidung derweil eine echte Katastrophe! Ich habe sogar das Gefühl, dass die Nachricht zu einigen Athleten noch gar nicht richtig durchgedrungen ist.

Wie versuchen Sie sie aufzufangen? Stellen Sie ihnen Psychologen zur Seite?

Wir haben natürlich Sportpsychologen, die die Athleten beraten und auch in dieser besonderen Situation für sie da sind. Abgesehen davon sind insbesondere unsere Laufbahnberater derzeit extrem gefragt. Denn die Verschiebung der Spiele hat natürlich Auswirkungen auf die gesamte Karriereplanung vieler Sportler. Jene, die noch studieren, haben in der Regel ein Urlaubssemester beantragt, um sich optimal auf Tokio 2020 vorbereiten zu können. Das ist nun überflüssig. Jetzt heißt es für viele sogar, an der Uni wieder richtig Gas zu geben, da die intensive Vorbereitung ja um ein Jahr verschoben ist. Die Entscheidung zieht also auch viel Bürokratie nach sich…

Bild: Leichtathleten im Wettkampf

Die Pandemie hatte darüber hinaus zur Folge, dass die Hamburger Sportler eine Zeit lang ausschließlich zu Hause trainieren konnten: Die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz untersagte in einer Allgemeinverfügung jeglichen Sportbetrieb auf öffentlichen und privaten Anlagen. Erst kürzlich wurde eine Trainings-Sondergenehmigung für Kaderathleten erteilt…

Das Trainingsverbot in Hamburg war ein großes Problem. Denn man muss wissen: Es gab hierzu bundesweit keine einheitliche Regelung. In manchen Bundesländern konnten die Sportler weitertrainieren, in Hamburg war dies indes strikt untersagt. Das kann auf nationaler Ebene natürlich für ein Ungleichgewicht in manchen Disziplinen sorgen.

Inwiefern?

Ich nenne mal ein Beispiel: Es gibt das Sprüchlein „Im Winter werden die Weltmeister gemacht!“ Das bedeutet: Wer in dieser Phase keinen Infekt erleidet und durchtrainieren kann, erreicht in der Regel ein hervorragendes Leistungsniveau und hat im besten Falle Titelchancen. Wer hingegen krankheitsbedingt drei oder vier Wochen ausfällt, kann diesen Trainingsrückstand normalerweise nicht mehr aufholen. Heißt konkret: Trainingsausfälle machen sich negativ bemerkbar.

Probleme gibt es auch im Hinblick auf das Doping-Testsystem. In vielen Ländern wurden Trainingstests eingeschränkt oder ganz eingestellt. Selbst Deutschlands Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) sah sich außerstande, Dopingkontrollen durchzuführen. Kann es in Tokio überhaupt faire Wettkämpfe geben?

Ich hoffe natürlich sehr darauf. Aber dies wird sicherlich entscheidend davon abhängen, wie schnell die Testungen wieder aufgenommen und wie intensiv sie betrieben werden. Und da sich die Entwicklung der Corona-Pandemie kaum vorhersagen lässt, sind Prognosen dafür generell schwierig.

Eine Konstante ist derweil die Kooperation von Asklepios und dem OSP: Viele der Hamburger Athleten werden seit Jahren am Institut für Sportmedizin und Prävention an der Asklepios Klinik St. Georg betreut. Welche Rolle kommen Leiter Michael Ehnert und seinem Team in dieser besonderen Situation zu?

Eine ganz entscheidende. So ist die Trainings-Sondergenehmigung beispielsweise an verschiedene Auflagen geknüpft: Die Athleten müssen unter anderem einen „Corona-Fragebogen“ ausfüllen und im Falle der Möglichkeit, mit Covid-19 infiziert zu sein, Kontakt zu einem Arzt aufnehmen. Michael Ehnert unterstützt uns in dieser Hinsicht sehr. Er führt Telefonate mit den Athleten, informiert sie und leitet, sofern nötig, auch Testungen in die Wege. Hinzu kommt, dass er auch eine mentale Stütze für unsere Athleten ist und sie hinsichtlich ihrer Physis beruhigen und beraten kann. Wir wissen, dass unsere Sportler bei Herrn Ehnert und seinem Team in den allerbesten Händen sind. Das gibt uns ein gutes und sicheres Gefühl.

Die Pandemie zwingt uns dazu, inne zu halten und zu hinterfragen, wie wir unser Leben bislang bestritten haben.

Ingrid Unkelbach Leiterin des Olympiastützpunkts Hamburg/Schleswig-Holstein (OSP)

Wie gehen Sie selbst mit der Pandemie um? Haben Sie Angst vor Covid-19?

Ich bin über 60 Jahre alt und gehöre dementsprechend zur Risikogruppe. Doch ängstlich bin ich eigentlich nicht. Ich merke allerdings: Diese Pandemie macht etwas mit mir. Insbesondere, wenn ich aus dem Freundes- und Bekanntenkreis höre, dass Menschen an Covid-19 gestorben sind. Das lässt mich nicht so schnell los. Und so hoffe ich natürlich, wie alle, dass bald ein Impfstoff gegen die Erkrankung gefunden wird.

Nehmen Sie in Zeiten der Krise auch positive Veränderungen wahr? 

Was man sagen kann: Die Pandemie zwingt uns dazu, inne zu halten und zu hinterfragen, wie wir unser Leben bislang bestritten haben. Sie entschleunigt ein Stück weit, sorgt dafür, dass man kleine Dinge wie einen Spaziergang in der Natur wieder sehr zu schätzen weiß. Diese Reflektion hätte es ohne Corona wohl nicht gegeben. 

Die Olympia-Verschiebung bringt uns nicht aus der Spur!

Thomas Plößel Kaderathleten des Olympiastützpunkts Hamburg/Schleswig-Holstein (OSP)

Bild: Thomas Plößel

Gelassenheit
und
Zuversicht

Interview: Janina Darm
Fotos: © wecamz / PR

Olympia-Bronze-Medaillengewinner Thomas Plößel und sein Segelpartner Erik Heil sind Kaderathleten des Olympiastützpunkts Hamburg/Schleswig-Holstein (OSP), der von Asklepios unterstützt wird. Die Profisportler nehmen die Corona bedingte Absage der Sommerspiele 2020 gelassen und blicken voller Zuversicht in die Zukunft. Im exklusiven Interview spricht Plößel über den neuen Fahrplan für Tokio 2021 und erklärt, warum selbst der professionelle Segelsport fern von Perfektion ist.

2015 zierte sein Konterfei die Asklepios-Busse im Hamburger Verkehrsverbund (HVV). Seitdem ist viel passiert im Leben von Profisegler Thomas Plößel (31). Gemeinsam mit seinem Segelpartner Erik Heil (30) gewann Plößel bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro Bronze in der Bootsklasse der 49er. „Ein sensationeller Erfolg, den wir natürlich gerne ausbauen würden“, so der gebürtige Oldenburger. Doch der Traum von Olympia-Gold ist erst einmal verschoben. Die Sommerspiele 2020 in Tokio wurden aufgrund der Corona-Pandemie aufs kommende Jahr verlegt. Für Plößel und Heil, die für den Norddeutschen Regatta Verein starten und Kaderathleten des Olympiastützpunkts Hamburg/Schleswig-Holstein (OSP) sind, jedoch kein Problem, wie der Vorschoter im exklusiven Interview berichtet.

Herr Plößel, die Corona-Pandemie hat vielen Athleten einen Strich durch die Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele gemacht. Welche Auswirkung hat die Verschiebung des Events auf Ihre Disziplin?

Ehrlich gesagt keine sonderlich große. Erik und ich folgen einem Jahresplan zur Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele. Die Verschiebung hat einzig und allein zur Folge, dass wir diesen Plan jetzt noch einmal von vorne durchspielen – und ihn an der einen oder anderen Stelle vielleicht sogar optimieren können. Andere Sportler trifft die Verschiebung der Olympischen Spiele wesentlich härter, vor allem, wenn ihre Disziplinen maßgeblich von Fitness und Athletik abhängen.

Ist die körperliche Fitness beim Segeln weniger relevant?

Wie man in der Mathematik so schön sagt: Sie ist ein notwendiges, aber kein hinreichendes Kriterium. Heißt konkret: Eine gewisse Athletik ist unerlässlich, aber nicht entscheidend für den Erfolg.

Bild: Thomas Plößel, Erik Heil

Und was ist denn entscheidend?

Der Segelsport ist unheimlich komplex. Es gibt zahlreiche Komponenten, die berücksichtigt werden müssen – etwa die Windrichtung, der richtige Winkel bei der Steuerung des Bootes, die Fahrlinie der Konkurrenten etc. Von einer Vielzahl an Informationen können mein Segelpartner und ich jeweils nur einen Bruchteil wahrnehmen, um unsere Handlungen danach auszurichten. Beim Segelsport geht es also nicht um Perfektion. Es geht vielmehr darum, möglichst wenig Fehler zu machen. Bestes Beispiel: Bei der Weltmeisterschaft vergangenes Jahr in Auckland/Neuseeland, bei der wir Silber gewannen, sind wir zwei Mal gekentert, der spätere Weltmeister hingegen nur ein Mal. Das zeigt: Auch die Sieger machen Fehler – allerdings weniger als der Rest.

Wie halten Sie sich fit?

Ich liebe Wassersport: Windsurfen, Wellenreiten und Kitesurfen sind meine Passion. Davon abgesehen stärke ich meine Kondition durchs Laufen und die Kraftausdauer durch klassisches Krafttraining. Wann immer es geht, versuche ich allerdings Übungen auf dem Wasser zu absolvieren.

Die Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz hat in einer Allgemeinverfügung jeglichen Sportbetrieb auf allen öffentlichen und privaten Anlagen bis zum 30. April untersagt. Eine Beschränkung, die auch für Kaderathleten des Olympiastützpunkts Hamburg/Schleswig-Holstein gilt. Inwiefern Sie Sie von den Maßnahmen betroffen?

Wir haben glücklicherweise eine Sondergenehmigung fürs Trainieren auf dem Wasser erhalten, was super ist und wofür wir sehr dankbar sind. Da es an der Ostsee fürs Wassertraining allerdings noch etwas zu kalt ist, haben wir diese Option kaum genutzt. Zumal es auf Außenstehende komisch wirkt, wenn wir die einzigen sind, die vom eigentlich gesperrten Olympiahafen in Kiel-Schilksee starten. Wir konzentrieren uns aktuell auf andere, wichtige Aufgaben sowie auf das Athletiktraining, das wir auch zu Hause ausüben können.

Bringt es Sie und Ihren Segelpartner denn gar nicht aus dem Trainingsrhythmus, wenn Sie nicht aufs Wasser können? 

Nein. Wir haben den großen Vorteil, dass wir auch nach monatelanger Pause schnell zusammenfinden und uns super aufeinander einstellen können. Das geht sicherlich nicht jedem Team so, da haben wir wirklich Glück. (lacht)

Ich kann nur für meinen Sport sprechen: Im Segelsport spielt das Thema Doping zum Glück keine Rolle.

Thomas Plößel Amtierender Vize-Weltmeister in der Bootsklasse der 49er sowie Olympia-Bronze-Medaillengewinner von Rio de Janeiro

Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf das Doping-Testsystem. In vielen Ländern wurden Trainingstests eingeschränkt oder ganz eingestellt. Selbst Deutschlands Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) sah sich außerstande, Dopingkontrollen durchzuführen. Kann es in Tokio überhaupt einen fairen Wettkampf geben?

Ich kann nur für meinen Sport sprechen: Im Segelsport spielt das Thema Doping zum Glück keine Rolle. Auch deshalb, weil die Athletik, wie erwähnt, kein hinreichendes Kriterium für den Erfolg darstellt.

Wie gehen Sie persönlich mit der Corona-Pandemie um. Bereitet Ihnen das Virus Sorge? 

Ich bin dahingehend recht entspannt. Ich stamme aus einer Mediziner-Familie, habe deshalb ein gutes Verständnis für die Erkrankung, die notwendigen Hygienemaßnahmen und das Ansteckungsrisiko. Zudem habe ich das große Glück, durch die Unterstützung von Team Hamburg und der Deutschen Sporthilfe auch finanziell abgesichert zu sein. Das geht längst nicht allen Bürgern so. Letztlich hoffe ich, wie alle anderen auch, dass bald ein Impfstoff gefunden wird und sich die Lage normalisiert.

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Zum Hintergrund

Asklepios fungiert als Kooperationspartner des Olympiastützpunkts Hamburg/Schleswig-Holstein (OSP). Zahlreiche Kaderathleten werden vom Institut für Sportmedizin und Prävention an der Asklepios Klinik St. Georg betreut, das von Michael Ehnert geleitet wird. Darüber hinaus finden regelmäßig Fortbildungen und gemeinsame Kampagnen rund um sportliche Themen statt. Asklepios ist es ein wichtiges Anliegen, die Sportler und Mitarbeiter des OSP in ihrem Streben nach Bestleistungen zu unterstützen.