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Bild: Tabletten
Gesunde Ernährung. Nahrungsergänzungsmittel.

Vitaminpillen sind oft überflüssig – und können sogar schaden

Jeder dritte Erwachsene in Deutschland schluckt Nahrungsergänzungsmittel, um gesund zu bleiben. Die meisten Vitamine in Pillenform sind überflüssig. Es kann aber auch zu schädlichen Überdosierungen kommen.

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Eine Pille für alles?

Wir können sie nicht sehen, nicht riechen, nicht schmecken. Und doch sind sie für unsere Gesundheit so essenziell, dass wir niemals auf sie verzichten könnten. Denn ihr Name ist Programm: Vitamine machen vital. Die kleinen Moleküle sorgen für einen reibungslosen Ablauf der Körperfunktionen, sind unentbehrlich etwa für Hirn und Herz, Gelenke und Muskeln und ein aktives Immunsystem. Aber brauchen wir wirklich teure Nahrungsergänzungsmittel, um unseren täglichen Vitaminbedarf zu decken?

Knapp ein Drittel der Erwachsenen schluckt regelmäßig Vitaminpräparate, berichtet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Vitamin C gegen Erkältung, E als Schutz vor freien Radikalen, B2 für die Haut und B12 für die Nerven. Das Angebot ist so riesig wie die Versprechungen der Hersteller: Die Brausetabletten und Pillen sollen Krankheiten vorbeugen und ganz unkompliziert Ernährungssünden ausgleichen können, lautet die Botschaft. Vitamine sind ein Milliardengeschäft!

Bild: Unbehandelte Möhren
Nahrungsergänzungsmittel sind unnötig – in Deutschland gibt es in der Regel keinen Vitaminmangel mehr

„Wer sich ausgewogen ernährt, wird mit allem versorgt, was er braucht“, sagt Dr. Matthias Riedl, Ernährungsmediziner und Gründer des „medicum Hamburg“: „Das macht Vitaminpillen völlig überflüssig!“ Dutzende von Studien zum Thema „Nahrungsergänzung“ kommen zu demselben Schluss: Vitaminpillen können keine ausgewogene Ernährung ersetzen.

Denn gesund erhält uns erst der Mix aus Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, sekundären Pflanzenstoffen, Fetten und Eiweißen, den wir mit der Nahrung aufnehmen. So gibt es in vielen Gemüsesorten mehr als 400 für uns wichtige Inhaltsstoffe. Außerdem: „Je mehr ein Lebensmittel von dem natürlichen Ursprung abweicht – also weiterverarbeitet oder künstlich nachgestellt wurde, wie bei Vitaminpillen –, desto schwieriger wird die Aufnahme für den Körper“, erläutert Dr. Riedl.

Bild: Vitamintabletten
Die Extraportion Vitamine ist sinnlos und strapaziert nur unser Portemonnaie

Ernährungs-Experte Riedl warnt: „Frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel unterliegen keinen Kontrollen und sind teilweise in extrem hohen Dosierungen erhältlich. Da kann es leicht zu einer Überdosierung kommen!“ Bei den acht wasserlöslichen B-Vitaminen und Vitamin C ist das nicht weiter tragisch. Der Körper nimmt sich, was er braucht, der Rest wird ausgeschieden. Die häufigste, meist harmlose Nebenwirkung ist Durchfall. Bei den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K ist das anders: „Ein Zuviel kann, je nach Vitamin, etwa zu Kopfschmerzen, Erbrechen, Leberschäden führen, ja sogar Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern“, so Riedl.

Synthetische Vitamine sind also tabu? „Nicht grundsätzlich. Ratsam sind sie bei einem medizinisch nachgewiesenen Vitaminmangel durch Krankheiten, Einschränkungen oder auch Ernährungsformen“, erklärt der Internist. So leiden Schwangere oft unter Eisenmangel und brauchen Folsäure, die dem offenen Rücken bei Neugeborenen, der sogenannten Spina bifida, vorbeugt. Veganer wiederum sollten ihren B12-Wert im Blick behalten, „da dieses Vitamin nur in tierischen Lebensmitteln enthalten ist“.

Bild: Verschiedene Nahrungsmittel mit Vitamin D
Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere und Veganer sinnvoll – und im Winter

Anders bei Vitamin D, das der Körper als einziges selbst durch das Sonnenlicht bilden kann: „80 Prozent der Bevölkerung sind unterversorgt“, warnt der Spezialist und rät zu einer Einnahme in den Wintermonaten – und ganzjährig zu einer gesunden Ernährung: „Sie basiert auf naturbelassenen pflanzlichen Lebensmitteln! Salate, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, zuckerarme Früchte und hochwertige Öle sollten an erster Stelle stehen. Dazu ergänzend fettreichen Seefisch, Milchprodukte, Ei und mageres weißes Fleisch als Proteinlieferant.“

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