Asklepios Kliniken
Bild: Biene auf Blüte
Mücken. Wespen. Zecken.

Die Plagegeister des Sommers - Was tun bei Insektenstichen?

Sie brennen, sie jucken, sie tun weh: Insektenstiche sind meist harmlos, können aber auch ernsthafte Folgen haben. Unsere Experten klären auf.

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Summ, summ, summ

Klar, für unser Ökosystem, die Landwirtschaft und die Vielfalt der Arten sind sie von unermesslicher Bedeutung, die Bienen und Hummel, wenn sie von Blüte zu Blüte schwirren, den Blütenstaub verteilen. Beim Frühstück auf der Terrasse, dem Schwimmbadbesuch und dem Eisgenuss an der frischen Luft aber werden sie zu echten Nervensägen und führen bei vielen Menschen zu kleinen Panikattacken. Ganz zu schweigen von lästigen Mücken mit den juckenden Stichen und den heimtückischen Zecken. Die Insekten können allergische Reaktionen auslösen und teils auch lebensbedrohliche Krankheiten übertragen. Meistens aber sind die Stiche ungefährlich, sind sich Dr. Silke Thies, Chefärztin Dermatologie und Allergologie am Asklepios Klinikum Uckermark und die Kinderärztin Dr. Susanne Zeidler, Oberärztin an der Asklepios Klinik St. Augustin, einig.

Bild: Mücke auf der Haut
Erstes Mittel der Wahl: Kühlen

Mückenstiche sind in der Regel grundsätzlich erstmal harmlos“, sagt die Dermatologin und Allergologin Dr. Silke Thies. Einen starken Juckreiz und manchmal auch heftige allergische Reaktionen können sie trotzdem auslösen. Denn wenn eine Stechmücke ihren Rüssel in die Haut pickst, gelangen über den Mückenspeichel Proteine in den menschlichen Organismus, die die Blutgerinnung verhindern. Der Körper aktiviert einen Abwehrmechanismus und schüttet den Botensoff Histamin aus. Ein unangenehmer Nebeneffekt: die Haut beginnt zu jucken. Das wiederum führt dazu, dass man anfängt zu kratzen. Keine gute Idee. „Dadurch können Bakterien in den Körper gelangen, die dann eine Infektion auslösen“, erklärt Kinderärztin Dr. Zeidler. Sie rät daher in aller erster Linie zu einem altbewährten Hausmittel: die Einstichstelle kühlen, um eine Schwellung einzudämmen und den Juckreiz zu stillen.

„Am besten mit trockener Kälte, also mit einem in ein Handtuch gewickelten Kühlkissen oder -aggregat“, sagt sie. Ein nasser Waschlappen hingegen weicht die Haut auf und begünstigt, dass Erreger eintreten können. Auch das Hochlegen bei Stichen in Füße und Beine ist eine sinnvolle Ersttherapie.

In der Apotheke frei verkäufliche Cremes oder Gele mit sogenannten Antihistaminika können außerdem den Juckreiz lindern und auch kühlen. Schwach dosierte Kortisonpräparate wirken intensiver und dämmen zusätzlich mögliche Entzündungen ein. Klingt die Schwellung ebenso wie das nervige Jucken ab, ist auch die Gefahr gebannt. Ist das nicht der Fall, kann eine allergische Reaktion vorliegen. Bei Mücken allerdings ist da eher selten.

Bei Nicht-Allergikern rate ich zu einem Arztbesuch, wenn Rötung, Schwellung und Überwärmung stark zunehmen oder sich auch Eiter bildet

Dr. Susanne Zeidler Oberärztin an der Asklepios Klinik St. Augustin

Bild: Wespe auf der Haut
Vorsicht bei vielen Stichen

Ein wesentlich höheres allergenes Potenzial haben Wespenstiche, seltener die von Bienen und Hornissen, noch seltener Hummeln. „Ist ein Mensch allergisch auf diese Insektengifte, kann es zu Kreislaufproblemen, Schwindel, Übelkeit und auch Atemwegssymptomen kommen“, erklärt Allergologin Dr. Thies. Bei Nicht-Allergikern ist Vorsicht geboten, wenn viele Wespen, Bienen oder Hornissen gleichzeitig stechen. „Dann ist die Dosis das Gift“, so Dr. Thies. Und auch bei Stichen an und in Mund und Augen sollten man einen Arzt aufsuchen, da gerade im Mund der Stich zu Schwellungen und damit zu Atemnot führen kann. Grundsätzlich aber gilt auch bei Attacken von Wespen, Hornissen und Co, erst einmal ruhig und besonnen zu bleiben, die Einstichstelle zu kühlen.

„Bei Nicht-Allergikern rate ich zu einem Arztbesuch, wenn Rötung, Schwellung und Überwärmung stark zunehmen oder sich auch Eiter bildet“, sagt Dr. Zeidler. Das können Anzeichen für eine Infektion sein. Auf eine Allergie deuten Reaktionen an Stellen, an denen das Insekt gar nicht zugestochen hat, also Quaddeln und Rötungen am ganzen Körper, Kribbeln auf der Zunge und unter den Fußsohlen sowie allgemeines Unwohlsein.

Notfallset für Allergiker

Überhaupt sieht die Sache bei Allergikern sieht ein wenig anders aus. Ist die Allergie bereits bekannt und es kommt zu einer heftigen Reaktion trotz vorheriger Hypersensibilisierung, sollten Allergiker ein Notfallset (Kortisonpräparate und Antihistaminikum in flüssiger Form) immer bei sich tragen. Zudem sollten Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen um die Allergie wissen, um notfalls einschreiten zu können. Wenn Kreislaufprobleme, Zungenschwellung und Luftnot auftreten, ist unbedingt auch der Notruf zu wählen. „Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es natürlich nie, aber das Notfallset ist eine Art Lebensversicherung, denn bei einem Stich kann es innerhalb von manchmal weniger als 20 Minuten zu schweren Reaktionen und Bewusstlosigkeit kommen“, gibt Dr. Thies zu bedenken.

Einige Verhaltensregeln können außerdem vor Insektenstiche schützen – und zwar nicht nur Allergiker.  Diese lauten, vor allem tagsüber kein Parfüm zu tragen und möglichst einen Sonnenschutz ohne Duftstoffe zu wählen, sich nie in der Nähe von Insektennestern aufhalten, kein Obst und auch möglichst keine süßen Speisen draußen essen, nicht barfuß über eine Wiese gehen und am besten aus verschlossenen Gefäßen und mit einem Strohhalm trinken, gut ist auch, wenn diese durchsichtig sind. Kurzum: Augen aufhalten.   

Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es natürlich nie, aber das Notfallset ist eine Art Lebensversicherung.

Dr. med. Silke Thies Chefärztin für Dermatologie und Allergologie am Asklepios Klinikum Uckermark

Bild: Pricktest beim Arzt
Hyposensibilisierung für Allergiker

Sticht eine Wespe, Biene, Hornisse oder Hummel aber doch einmal zu und es kommt zu extreme Reaktionen, die über die normalen Symptome wie Juckreiz und Schwellung hinaus geht, sollten sich Patienten etwa vier bis acht Wochen nach der Akutbehandlung auf eine Insektengift-Allergie testen lassen und bei positivem Befund eine sogenannte Hyposensibilisierung in einer spezialisierten  Einrichtung vornehmen lassen. „Eine solche Therapie ist hoch effektiv und führt zu einer über 90-prozentigen Toleranzinduktion des Immunsystems, sodass ein erneuter Stich dann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr lebensbedrohlich ist“, sagt Dr. Thies. In der Regel ist zu Beginn dieser Hyposensibilisierung ein dreitägiger stationärer Klinikaufenthalt notwendig, anschließend wird sie über drei bis fünf Jahren mit regelmäßigen Allergieimpfungen fortgesetzt.

Zecken, die kleinen Vampire

Heimtückischer als klassische Insektenstiche sind Zeckenbisse, die eigentlich Zeckenstiche sind. Das Robert Koch-Institut (RKI) informiert, dass der biologische Mechanismus, mit dem die Zecke bei Tieren und Menschen Blut entnimmt, eher einem Stechen als einem Beißen nahe kommt. Sie lauern im Unterholz, im Gebüsch, auf Bäumen und Grashalmen. Sobald die Zecken ein Opfer gerochen haben, lassen sie sich fallen, krallen sich in der Haut fest und suchen dann eine geeignete Stelle, um sich festzusaugen. Mit Vorliebe sind das wenig einzusehende und geschützte Körperstellen wie Kniekehlen, Achseln, hinter den Ohren oder am Haaransatz. Da es nach einem Einstich ein bis zwei Tage dauert bis sich Borrelien übertragen, sollte man sich immer genau abtasten, wenn man sich in einem Zeckengebiet aufgehalten hat. (Das RKI veröffentlich jährlich eine Karte der Haupt-Endemiegebiete.

Bild: Zecke auf der Haut

Die Borreliose ist nämlich die häufigste von den kleinen Vampiren übertragene Infektionskrankheit. Die Bakterien greifen verschiedene Organe wie die Haut, das Nervensystem und die Gelenke an. Entsprechend vielseitig können auch die Symptome sein. Die mit Abstand häufigste Erkrankungsform der Lyme-Borreliose ist die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans). Sie tritt nach einigen Tagen bis Wochen nach Zeckenstich auf und zeigt sich als ringförmige Hautrötung. Der rote Ring wandert dann allmählich nach außen. Weitere allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, Müdigkeit können hinzukommen. Da es sich um eine bakterielle Infektion handelt, kann sie mit Antibiotika behandelt werden.

Eine weitere von Zecken übertragene Infektion ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder auch Hirnhaut- bzw. Gehirnentzündung. Erste Symptome ähneln denen einer Erkältung oder eines grippalen Infekts. Im Gegensatz zur Borreliose gibt es gegen die Viruserkrankung einen Impfschutz. Dennoch gilt auch als Vorbeugung gegen Zeckenstichen: Augen offenhalten, bei Aufenthalten im Freien große Teile des Körpers mit Kleidung bedecken und sich anschließend intensiv abtasten. Schließlich will gerade im Sommer niemand auf Spaziergänge in der Natur und den Eisbecher im Café verzichten.

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