Asklepios Kliniken
Bild: Herzen mit Pflaster
Prüfen. Rufen. Drücken.

Jede Hilfe zählt! – Was im Notfall zu tun ist

Kennen Sie noch alle Erste-Hilfe-Maßnahmen? Und wie lange ist der letzte Erste-Hilfe-Kurs bei Ihnen her? Lesen Sie jetzt, warum Sie Ihre Kenntnisse auf jeden Fall schnell auffrischen sollten.

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Keine Angst – Jeder kann helfen!

Immer wieder liest und hört man, dass im Notfall aus Angst keine Erste Hilfe geleistet wird. Dabei kann in einer Notsituation jede Minute über Leben und Tod entscheiden. Dennoch sind viele Menschen nicht in der Lage, die Hemmschwelle zu überwinden und Erste Hilfe zu leisten.

Der häufigste Grund dafür ist die Angst davor, etwas falsch zu machen und dem Betroffenen noch mehr Schaden zuzufügen. Dabei kann es so einfach sein, einem Menschen in einer Notsituation zu helfen. Andreas Wehner, Leiter der Akademie für Notfallmedizin Hansestadt Hamburg, hat uns erklärt, warum die Angst vor Fehlern und rechtlichen Konsequenzen im Fall der Hilfeleistung unbegründet ist.

Dramatische Rettungsaktionen, bei denen man fremden Personen helfen muss, sind eher die Ausnahme als die Regel.

Andreas Wehner Leiter Akademie für Notfallmedizin Hansestadt Hamburg

Bild: Frau liegt auf dem Boden nach Sturz
Erste Hilfe meistens im direkten Umfeld

Wenn man an Erste Hilfe denkt, kommen den meisten Menschen in der Regel dramatische Bilder von schweren Autounfällen oder schwerverletzten fremden Personen in den Sinn. Die Realität ist jedoch, dass es eher Menschen in unserem direkten Umfeld sind, die unsere Hilfe benötigen. „Betrachtet man es einmal objektiv, dann ist die Wahrscheinlichkeit, einer fremden Person helfen zu müssen, eher gering“, sagt Andreas Wehner und ergänzt, dass „die meisten Notfälle im privaten Umfeld, vor allem im Haushalt, vorkommen.“

Es sind in erster Linie also mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht fremde Personen, sondern Familienmitglieder, Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen, die plötzlich in eine Notsituation geraten und unsere Hilfe benötigen. Denkt man etwas darüber nach, erscheint dies vollkommen logisch. Die meiste Zeit des Tages verbringen wir mit Menschen, die wir kennen. Auch die Freizeit gestaltet man normalerweise mit Menschen, die einem mehr oder weniger nahestehen, z. B. im Sportverein, beim Nachbarschaftsgrillen oder bei der Verabredung mit Freunden. Ist man sich dessen bewusst, erhält das Leisten von Erster Hilfe eine andere, viel persönlichere Qualität.

Bild: Frau bindet sich Pflaster um den Finger
Wir leisten öfter Erste Hilfe, als wir denken!

Ein weiterer Faktor, den man sich bewusstmachen sollte, ist, dass wir bereits öfter Erste Hilfe leisten als wir denken. Nicht nur die Herz-Lungen-Wiederbelebung oder die stabile Seitenlage fallen unter diesen Begriff, sondern auch das Versorgen einer kleinen Wunde, eines Insektenstichs oder das Kühlen einer Prellung.

Allein das Beruhigen und Umsorgen einer krankheits- oder unfallbedingt hilfsbedürftigen Person zählt bereits zu den Erste-Hilfe-Maßnahmen. Grundsätzlich fallen unter den Begriff Erste Hilfe alle nicht-ärztlichen Hilfeleistungen, die bei Notfällen erbracht werden können, um weitere Schäden vom Betroffenen abzuwenden und seinen Zustand zu verbessern. 

Rechtliche Konsequenzen drohen vor allem, wenn Sie nicht helfen!“

Andreas Wehner

Bild: Junge Frau alarmiert Rettungsdienst
Nichts tun ist viel schlimmer, als zu handeln!

Manche Menschen begründen ihre Angst vor Erster Hilfe damit, dass sie sich vor rechtlichen Folgen fürchten, wenn sie möglicherweise Fehler bei der ersten Hilfe machen und den Betroffenen schädigen. Stellen Sie sich hierzu einmal die Frage, was denn falsches Helfen wäre? Häufig wird hier als Beispiel das Brechen von Rippen bei der Wiederbelebung genannt. Doch denken Sie einmal darüber nach. Stünden Sie vor der Wahl: gebrochene Rippe oder Herzstillstand, welche Entscheidung würden Sie für sich selbst treffen?

Was auch passiert, wenn Sie nach bestem Wissen und Gewissen sowie nach Ihren besten Möglichkeiten in einer Notsituation Hilfe leisten, haben Sie keine rechtlichen Konsequenzen zu befürchten. Anders verhält es sich hingegen, wenn Sie gar nicht helfen, obwohl es Ihnen möglich und zumutbar gewesen wäre. Dann drohen eine Geld- oder sogar Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr.

Generell sollten Sie immer daran denken, dass selbst die kleinste Kleinigkeit bereits helfen und Leben retten kann. Die wichtigste und einfachste Maßnahme, die Sie in jedem Fall immer ergreifen können, ist den Rettungsdienst zu alarmieren. „Selbst, wenn Sie unsicher sind, zögern Sie nicht, sondern nehmen Sie umgehend Kontakt zu den Rettungskräften über den Notruf 112 auf und bitten Sie um Unterstützung. Die Mitarbeiter in den Rettungsleitstellen sind speziell ausgebildet und helfen Ihnen am Telefon, bis die Rettungskräfte vor Ort eintreffen“, so Andreas Wehner. „Alarmieren Sie die Rettungskräfte lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig. Niemand wird Ihnen Vorwürfe machen, wenn Sie eine Situation dramatischer einschätzen, als sie dann möglicherweise ist“, lautet hier der Rat des Notfallexperten.

Icon: Herzschlag

Wichtige Notrufnummern

Rettungsdienst: 112
Polizei: 110
Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117

5 W-Fragen beim Notruf

  • Was ist geschehen?
  • Wo ist es geschehen?
  • Wie viele betroffene Personen gibt es?
  • Um welche Art von Notfall (z. B. Verletzung) handelt es sich?
  • Warten auf Rückfragen der Rettungsstelle
Icon: Glühbirne

5 Dinge, die jeder in jedem Fall tun kann!

  • Aufmerksam sein und Notfallsituationen erkennen.
  • Die betroffene Person ansprechen, den Bewusstseinszustand prüfen und ggf. beruhigend auf die Person einwirken.
  • Den Rettungsdienst alarmieren.
  • Unfallstellen absichern.
  • Andere Menschen direkt ansprechen und um Hilfe bitten.
Bild: Erste Hilfe Kurs

Regelmäßig
Erste-Hilfe-Kurse
besuchen!

„Der beste Weg, die Scheu vor Erster Hilfe zu verlieren, ist Übung!“ rät Andreas Wehner und fügt hinzu „Wenn Sie die Erste-Hilfe-Maßnahmen immer wieder trainieren, wissen Sie im Notfall auch ohne zu zögern, was zu tun ist.“ Er empfiehlt, mindestens alle zwei Jahre einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen. Nur dadurch lassen sich Herz-Lungen-Wiederbelebung, stabile Seitenlage und die vielen weiteren Maßnahmen zuverlässig einüben. Mit dem medizinischen Fortschritt entwickeln sich darüber hinaus die Erste-Hilfe-Maßnahmen weiter. Auch deshalb sollte man sich immer wieder mit einem entsprechenden Kurs auf den aktuellsten Stand bringen.

Man weiß zum Beispiel heute, dass es nicht zwingend notwendig ist, bei einem Herzstillstand zu beatmen, wenn man sich dazu nicht in der Lage sieht. Das Blut enthält nach einem Herzstillstand noch genug Sauerstoff, um die Organe bis zum Eintreffen der Rettungskräfte am Leben zu halten. Wichtig ist dabei nur, dass die Blutzirkulation mittels der Herzdruckmassage aufrechterhalten wird. Allein dadurch erhöhen sich die Überlebenschancen um das Dreifache.

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