Asklepios Kliniken
Bild: Sonja Oertle
Lungenkrebs. Krebstherapie. Patientengeschichte.

Sie wird länger leben

Sonja Oertle hat Lungenkrebs – unheilbar. Dank moderner Therapien sind aber metastasierte Tumore kein Todesurteil mehr. Der Krebs wird zur chronischen Erkrankung, mit der sich leben lässt.

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Längeres Leben für unheilbar Kranke

„Ich freue mich, dass ich Zeit habe“, sagt Sonja Oertle. Zeit, Dinge zu tun, zu denen sie als Vertriebsmanagerin einer Telekommunikationsfirma nie gekommen ist: Lesen zum Beispiel, aber auch drei bis vier Mal im Jahr Verreisen mit ihrem Mann. „Ich weiß, dass ich nicht mehr gesund werde, aber ich kann den Krebs eine Zeitlang gut managen.“ Als „kämpferisches Naturell“ beschreibt sich die 61-Jährige, die in Bayern lebt und in den Münchner Asklepios Fachkliniken Gauting betreut wird.

Als im April 2016 die Diagnose Adenokarzinom gestellt wird, hat der Tumor bereits in Rippenfell und Lymphknoten gestreut, er war nicht mehr operabel. Seit mehr als drei Jahren lebt Sonja Oertle schon mit der Krankheit. Ihr Lebensgefühl hat sich seitdem stark verändert. Am Anfang war sie am Boden zerstört:

Bild: Ärzte in einer Besprechung
Diagnose Krebs: „Ein Mensch, der so leistungsfähig ist wie ich, der kriegt doch nicht so was!“

Recherchiert hat sie im Internet, „wie eine Verrückte“: „Ich muss visualisieren können, wie alles funktioniert.“ Um sich dann bei jedem Tropfen der Chemotherapie hineinzuversetzen, wie dieser seine Arbeit gegen die bösartigen Zellen verrichtet. Eine „Lernkurve“ habe sie hinter sich, beschreibt Sonja Oertle ihre Einstellung zu der Krankheit. Heute denke sie nicht mehr allzu oft an den Krebs. Nach dem anfänglichen Schock sei die Erkenntnis gereift: „Es ist möglich, Zeit zu gewinnen.“

Eine Philosophie, die Prof. Dirk Arnold ganz und gar teilt. Der Leiter der Onkologie in der Hamburger Asklepios Klinik Altona kennt Sonja Oertle nicht persönlich, aber ihr Fall entspricht genau seinem therapeutischen Ansatz. „Unser Ziel ist, dass selbst unheilbare Patienten mit einer chronischen Tumorerkrankung lange möglichst ohne Nebenwirkungen oder tumorbedingte Symptome leben können“, sagt Prof. Arnold. Er ist auch medizinischer Vorstand des Asklepios Tumorzentrums Hamburg, in dem jährlich über 16.000 Patienten von mehr als 200 Krebsspezialisten behandelt werden.

Bei den noch heilbaren Krebstumoren interessiert den Spezialisten besonders das „Zusammenspiel zwischen operativen und nicht-operativen Verfahren wie Chemo-, Strahlentherapie und medikamentöser Behandlung.“ Da im großen Tumorzentrum alle Fachdisziplinen vertreten sind, könne man multimodal und interdisziplinär besonders gut agieren. Das Wissen der Experten wird in 27 wöchentlichen Tumorkonferenzen ausgetauscht.

Bild: Sonja Oertl vor der Asklepios Klinik in München-Gauting
Hoffnung auf neue Therapien gegen Krebs

Auch Sonja Oertle profitiert von der Palette der Therapien gegen den Krebs: Zu Beginn erhielt sie eine klassische Chemotherapie, kombiniert mit Bestrahlung. Es folgte eine Immuntherapie und seit November 2018 eine Erhaltungs-Chemotherapie alle drei Wochen. „Wir bleiben so lange bei einer Behandlung, bis der Tumor sich nicht mehr von ihr beeindrucken lässt“, erklärt Dr. Eleni Tzimas, die behandelnde Ärztin in München-Gauting. „Jedes Tumorgewebe wird sehr genau analysiert, und wir hoffen, dass in Zukunft neue Therapieansätze durch laufende Forschungen und neue Zulassungen in Betracht kommen.“

Bild: CT-Aufnahme des Oberkörpers

Onkologie im ständigen Wandel

Die Onkologie ist „eines der am schnellsten sich wandelnden medizinischen Fachgebiete“, bestätigt auch Prof. Axel Matzdorff, Chefarzt und Leiter des Tumorzentrums im Asklepios Klinikum Uckermark. Alle halbe Jahre würden neue Standards gesetzt. Sein Anspruch sei, dass neue Erkenntnisse, die etwa beim weichenstellenden Krebskongress in Chicago diskutiert werden, zeitnah auch seinen Patienten in Schwedt zugute kämen. Er spricht von „fast universitärem Niveau“ und betont dabei das Alleinstellungsmerkmal seines Klinikums im Raum Brandenburg.

Wie aber den Alltag meistern mit Krebs? „Man muss auch die positiven Seiten sehen“, sagt Sonja Oertle, „so paradox das klingen mag.“ Die Erkrankung erlaube ihr, Dinge zu tun, die früher als Berufstätige nicht möglich gewesen wären. Kleine Rituale wie das morgendliche Frühstück am Donnerstag im Café mit zweistündiger Zeitungslektüre.

„Highlights setzen“, das stehe für sie jetzt klar im Vordergrund. Literatur, ein weiteres Steckenpferd, das lange zu kurz kam. Den Dostowjewski, vor Jahren hingelegt, hat sie endlich wiederentdeckt: „Lesen macht den Verstand biegsam, sodass man in andere Richtungen denkt.“

Klar, es gebe Tage, an denen sie beeinträchtigt sei – kurz nach der Chemotherapie erfasse sie eine unglaubliche Müdigkeit, „aber das baue ich ein in mein Leben und gönne mir einfach kleine Pausen“. Außerdem experimentiere sie mit verschiedenen Tabletten – zurzeit helfe ihr ein kortisonhaltiges Präparat, die Nebenwirkungen zu unterdrücken.

Bild: Sonja Oertle beim Kaffeetrinken
Krebs mit personalisierter Medizin bekämpfen

Personalisierte Medizin ist auch für Dirk Arnold das Konzept der Zukunft. „Patienten fragen oft nach einem ganz speziellen Verfahren”, erzählt der Krebs-Spezialist. „Wir diskutieren dies dann, können aber darüber hinaus alle gängigen Therapieverfahren und komplexen Behandlungen offerieren – denn der Gamechanger über Leben und Tod liegt fast nie in nur einer Methode.“ Den entscheidenden Unterschied mache „die kluge Strategie“, einzelne Verfahren optimal auf die Bedürfnisse des Patienten, seine Motivation und die Motivation seines Umfelds abzustimmen.

Dem Krebs überlässt Sonja Oertle in ihrem Alltag nicht mehr viel Raum. Er sei ein Teil von ihr geworden, sie lebe mit ihm mittlerweile in „friedlicher Koexistenz“.

„Die Untersuchungen der gesetzlichen Kassen sind ein guter Standard – man sollte sie aber auch nicht überschätzen“, so Krebsexperte Prof. Dirk Arnold. Viel wichtiger sei die Krebsvorsorge – also der individuelle Lebensstil – sowie Beratung in einem interdisziplinären Zentrum. Krebsspezialist Prof. Axel Matzdorff verweist auf die schnelle Terminvergabe und kurze Wartezeiten für Patienten mit Krebsverdacht. „Bei uns bekommen Sie einen Termin von einem Tag auf den anderen.“

Prostata

  • Ab 45 jährlich 
  • Die Untersuchung umfasst auch ein Abtasten des Organs und zugehöriger Lymphknoten in der Leiste

Weibliche Geschlechtsorgane

  • Ab 20 jährlich
  • Gynäkologische Tastuntersuchung und Abstrich vom Gebärmuttermund sowie -hals.

Haut

  • Ab 35 alle 2 Jahre

Dickdarm

  • Ab 50 jährlich, ab 55 alle 2 Jahre: Tast- und Papierstreifentest für nicht sichtbares Blut im Stuhl
  • Ab 55 einmalige Wiederholung nach 10 Jahren: Darmspiegelung (Koloskopie)

Weibliche Brust

  • Ab 30 jährlich: Abtasten von Brust und Achselhöhlen sowie Anleitung zur Selbstuntersuchung
  • Ab 50 bis 69 alle 2 Jahre: Mammografie-Screening
Grafik: Mammografie-Screening

  

Icon: Glühbirne

KrebstherapieN

  • Medikamentöse Therapie: Entwicklung molekularer Wirkstoffe, die gezielt Mutationen in Krebszellen blockieren. Beispielsweise beim Plasmazytom.
  • Immuntherapie: Sogenannte Checkpoint-Inhibitoren aktivieren das Immunsystem, Krebszellen zu entdecken und wieder zu bekämpfen.
  • SIRT: Bei der Selektiven Internen Radiotherapie (SIRT) werden über einen Mikrokatheter kleinste radioaktive Kügelchen direkt in die Leberarterie eingebracht. Bei einigen primären Karzinomen und bei Metastasen in der Leber.
  • Chemosaturation: Die Leber wird vom Blutkreislauf abgekoppelt. Über einen Katheter wird ein hoch dosiertes Chemotherapeutikum in die Leberarterie eingebracht. Das außerhalb des Körpers gereinigte Leberblut wird dem Kreislauf wieder zugeführt.
  • Allogene Stammzelltransplantation: Übertragung von Knochenmark oder Blutstammzellen eines Spenders.
  • Robotische Chirurgie: Minimalinvasive roboterunterstützte OP: effektiv und schonend. Besonders bei Prostata, Brust und im Bauchraum.
Bild: Spritze und Medikamentenfläschchen
Innovationen in der medikamentösen Therapie halten beide Krebs-Experten für die derzeit entscheidende Entwicklung

Das Asklepios Tumorzentrum Hamburg ist durch die enge Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Studiengruppen zu einem „europaweit wahrnehmbaren Referenzzentrum“ bei der Entwicklung neuer Medikamente avanciert. Studien in der Onkologie, so Prof. Arnold weiter, würden nicht an Probanden, sondern direkt an Patienten durchgeführt, die unmittelbaren Nutzen davon haben können. Ganz aktuell habe man bei Bauchspeicheldrüsenkrebs neue Wirkstoffe erstmals so zum Einsatz gebracht, und bei der seltenen Blutkrebsform Plasmazytom ist das Zentrum europaweit eine erste Anlaufstelle für innovative Therapien.

Auch auf den neuen Immuntherapien, die bei Sonja Oertle eine Zeitlang angewendet wurden, fußt die Hoffnung vieler Krebspatienten. Immer feinere Verfahren analysieren das jeweilige Tumorgewebe auf molekularbiologischer Ebene. „Spezielle Medikamente, sogenannte Checkpoint-Inhibitoren, verhindern, dass Krebszellen das körpereigene Immunsystem abschalten“, erklärt Prof. Matzdorff. Älteren Patienten, die die Strapazen einer Chemotherapie nicht mehr vertragen würden, öffnen sich dank der Immunmedikamente neue Chancen.”

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