Asklepios Kliniken
Bild: Hände
Gesund werden. Therapie. Psychoonkologie.

Psychoonkologie – Seelische Hilfe im Ernstfall

Erkranken Menschen an Krebs, hat dies nicht nur physische, sondern auch psychische Folgen. Gemeinsam mit Frau Dr. Piening-Lemberg, Psychoonkologin an der Asklepios Klinik Barmbek, beleuchten wir, wie die Psychoonkologie zur seelischen Unterstützung der Erkrankten beiträgt.

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Was ist Psychoonkologie?

Bei der Onkologie handelt es sich um das medizinische Fachgebiet, das sich mit Tumorerkrankungen befasst. Bösartige Tumore, auch als Krebs bekannt, können an jedem Organ auftreten und haben schwerwiegende Folgen für den Körper des Erkrankten. Das Aufgabengebiet der Onkologie umfasst die Behandlung dieser Krankheit, aber auch deren Erforschung und Prävention. Die Psychoonkologie dagegen hat speziell die seelischen Folgen zum Gegenstand, die durch eine Krebserkrankung entstehen. Sie wird auch psychosoziale Onkologie genannt und ist eine interdisziplinäre Form der Psychotherapie, vereint also das Wissen verschiedener Fachrichtungen. 

Ursprünglich befasste sich die Psychoonkologie vor allem mit der Frage, inwieweit psychische Faktoren bei der Entwicklung dieser bösartigen Tumore mitwirken. Ein solcher Zusammenhang konnte allerdings bis heute nicht nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten nachgewiesen werden.

Aktuell bietet die Psychoonkologie Krebspatienten und deren Angehörigen psychische Unterstützung. Sie begleitet die Betroffenen auf ihrem Weg der Krankheitsbewältigung und stellt die Lebensqualität der Patienten in den Vordergrund.

„Ich ermuntere meine Patienten, dass es sich bis zum letzten Atemzug lohnt, den Tag für sich mit kleinen Zielen zu gestalten.“

Dr. Anne Piening-Lemberg Psychoonkologin, Onkologie und Palliativmedizin, Asklepios Klinik Barmbek

Bild: Nachdenkliche Frau auf einem Sofa
Diagnose Krebs - und jetzt?

Die Diagnose Krebs trifft die Patienten meist unvorbereitet. Unangenehme Fragen und intensive Ängste überwältigen Betroffene nach dem ersten Schock. Häufige Gedanken sind etwa:

  • Muss ich nun sterben?
  • Wie geht mein Leben jetzt weiter?
  • Wie gestalte ich meinen Alltag?
  • Wie verhalte ich mich Freunden, Kollegen oder der Familie gegenüber?
  • Was sage ich meinen Kindern?
  • Was gibt mir die Kraft, durch die Zeit der Chemotherapie zu kommen?

Viele dieser Fragen können die Patienten auch nach Gesprächen mit Freunden oder Familienmitgliedern nicht beantworten. Denn auch diese müssen zunächst lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Daher ist es umso wichtiger, die Betroffenen mit diesen Fragen nicht alleine zu lassen und eine professionelle Betreuung durch geschulte Fachkräfte anzubieten.

Meist fragen die Patienten von sich aus nicht nach allgemein gültigen Ratschlägen, sondern sie kommen mit ganz konkreten Fragen oder Sorgen zu mir.

Dr. Anne Piening-Lemberg

Bild: Menschen auf der Straße
Der Bedarf an Psychoonkologie ist hoch

Laut des Zentrums für Krebsregisterdaten erkranken jährlich fast 500.000 Menschen in Deutschland an Krebs, wobei viele der Patienten jahrelang unter der Krankheit leiden. Schätzungsweise leben aktuell 1,55 Millionen Menschen in Deutschland mit der Diagnose Krebs.

Ein Drittel der Krebspatienten erleidet infolge der Krankheit ernstzunehmende psychische Störungen. Hier handelt es sich häufig um Angst- sowie Anpassungsstörungen oder Depressionen. Auch unter den verbleibenden zwei Dritteln werden zumeist deutlich erhöhte psychische Belastungen festgestellt. Dass sich viele der Patienten eine psychosoziale Unterstützung im Rahmen einer psychoonkologischen Betreuung wünschen, liegt daher nahe. Insgesamt 30 % aller Krebspatienten in Deutschland nehmen eine solche Behandlung in Anspruch.  

Eine psychoonkologische Unterstützung nehmen außerdem rund 25 % der Angehörigen von Krebserkrankten wahr, denn auch diese leiden oft unter der erschwerten, ungewohnten Situation.

Bild: Psychoonkologe im Gespräch
Welche Hilfsmaßnahmen bietet die Psychoonkologie?

In welchem Umfang psychoonkologische Maßnahmen stattfinden, entscheiden die von Krebs Betroffenen und ihre Angehörigen schlussendlich selbst. Hierbei bieten sich ihnen verschiedene Möglichkeiten:

Kostenfreie Beratungsangebote werden besonders von Krebsberatungsstellen und von psychoonkologischen Diensten an Kliniken, wie auch der Klinik in Barmbek, zur Verfügung gestellt. Diese Beratungsgespräche dienen vor allem der Aufklärung der Patienten und informieren über die Erkrankung selbst sowie die damit einhergehenden veränderten Lebensbedingungen. Die Themen sind hierbei vielfältig. Neben dem Umgang mit der Erkrankung und der Bewältigung von seelischen Problemen werden häufig Möglichkeiten zur Verbesserung der eigenen Gesundheit besprochen. Durch Ergotherapien etwa werden aufgrund der Krankheit verlernte Fertigkeiten wieder neu erlernt, während Physio- und Bewegungstherapien den Körper stärken und den Nebenwirkungen der Chemotherapie entgegenwirken. Auch zu sozialrechtlichen Fragen wie Krankschreibungen, Rehabilitationsansprüchen oder Leistungen der Pflegeversicherung erhalten die Patienten umfassende Informationen und hilfreiche Ratschläge.

Bei schwerwiegenden psychischen Störungen und Belastungen reicht ein Beratungsgespräch allerdings oft nicht aus. Dann empfiehlt sich eine langfristige Psychotherapie bei einem psychotherapeutisch tätigen Psychoonkologen. Diese Therapie wird speziell auf die Bedürfnisse, Ängste und Probleme des Patienten zugeschnitten und kann auch als Gruppen- oder Paartherapie stattfinden, sodass bei Bedarf Angehörige und Lebensgefährten miteinbezogen werden können. Der Psychoonkologe bietet den Beteiligten viel Raum für offene Gespräche und thematisiert wichtige Aspekte wie den Umgang mit der Angst, das Entwickeln von Bewältigungsstrategien oder das Verhindern von sozialer Isolation. Die Therapie erfolgt in der Regel ambulant und wird meistens durch die Krankenkasse bezahlt.

Neben der klassischen Psychotherapie können auch Entspannungsverfahren, künstlerische Therapien, Ergotherapien, Bewegungstherapien oder Soziotherapien einen wichtigen Beitrag zur psychoonkologischen Begleitung leisten. Sie reduzieren die Ängste des Patienten und helfen ihm, besser zur Ruhe zu kommen.

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Mehr zum Thema Psychoonkologie

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Oft finden Patienten und ihre Angehörigen nur schwer Worte für die schlimmen somatischen Krankheiten und die damit verbundenen Lebensveränderungen. In intensiven Gesprächen versuche ich, den Betroffenen richtige Ansätze mitzugeben, um diese sehr schweren Lebenssituationen zu verarbeiten.

Dr. Anne Piening-Lemberg

Bild: Ärzte auf einem Flur
Wo arbeiten Psychoonkologen?

Psychoonkologische Unterstützung kann oft direkt im Krankenhaus in Anspruch genommen werden.  Dabei arbeiten Psychoonkologen nicht ausschließlich in großen, sondern auch in kleineren Kliniken. Insbesondere während des Klinikaufenthalts sind sie für die Patienten und deren Angehörige von großer Bedeutung. In manchen Fällen beraten sie Hilfsbedürftige auch nach der Entlassung noch.

Nichtstationär können Krebserkrankte auf Rehabilitationskliniken oder Krebsberatungsstellen zurückgreifen. Für eine längerfristige Betreuung bieten sich niedergelassene, ambulante Psychoonkologen an.

Im Allgemeinen ist das Angebot an Psychoonkologen in den letzten Jahren gestiegen, allerdings variiert die Dichte je nach Wohnort. So ist es in Metropolregionen zumeist einfacher, psychoonkologische Beratungsangebote zu finden als im ländlichen Bereich.

Ich erlebe diese Arbeit nicht als durchgehend belastend, sondern eher als sehr bereichernd. Ich habe Demut vor dem gelernt, was menschliche Körper und Seelen alles erleiden können, während sie trotzdem jeden Tag von neuem hoffnungsvoll begehen

Dr. Anne Piening-Lemberg

Bild: Person in Fortbildung
Psychoonkologe werden

Wer selbst krebserkrankte Menschen auf ihrem weiteren Lebensweg unterstützen möchte, kann dies auf Grundlage vieler verschiedener Berufe tun, denn für die Psychoonkologie existiert keine geschützte Berufsbezeichnung in Deutschland. Somit kann die Tätigkeit nicht nur von Psychologen, sondern auch von Ärzten, Sozialpädagogen und sogar Sozialarbeitern ausgeübt werden.

Neben der Berufserfahrung mit Krebspatienten ist die psychoonkologische Qualifikation die wichtigste Voraussetzung.  Hierfür gibt es von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifizierte Weiterbildungen, welche bestimmte Themenschwerpunkte enthalten müssen. Dort lernen die Teilnehmer die Grundlagen der Psychoonkologie, Forschungsmethoden und viele weitere Aspekte kennen. Auch die theoretischen und praktischen Kenntnisse über die Durchführung einer auf den Patienten zugeschnittenen Psychotherapie werden vermittelt. Eine solche Fortbildung wird beispielsweise von der Weiterbildung Psychosoziale Onkologie (WPO) angeboten.

Um an der Weiterbildung teilzunehmen, ist mindestens ein abgeschlossener Fach- bzw. Hochschulabschluss erforderlich. Psychotherapeuten haben durch ihr Vorwissen die Möglichkeit, an verkürzten Weiterbildungen teilzunehmen. Die erfolgreiche Teilnahme wird schließlich durch ein entsprechendes Zertifikat bestätigt.

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Hilfe nach der Krebsdiagnose

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