Asklepios Kliniken
Bild: Figuren
Psychotherapie für Kinder, Jugendliche und Eltern

Hilfe in seelischer Not

Individuelle Unterstützung für psychisch erkrankte junge Menschen

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Für einen guten Start ins Leben

Drei verschiedene Settings, zwei Standorte, sieben Einrichtungen, spezialisiert auf psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche: 2024 feiert die Asklepios Tagesklinik Hamburg-Osdorf ihr zehnjähriges Jubiläum, die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik am Klinikum Harburg ihr zwanzigjähriges Jubiläum.

Darunter die jüngste Station für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern. Sie wird 2024 fünf Jahre alt. „Mein fachliches Herzblut“, sagt Dr. Sabine Ott-Jacobs, leidenschaftliche Chef- und Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik mit der Weiterbildung in „Analytischer Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie“, die gemeinsam mit Chefärztin Dr. Meike Gresch die Klinik leitet.  „Es ist magisch mitzuerleben, wie die gemeinsame Arbeit Glück in die Familien bringt.“

Bild: Eltern mit Kind bei der Therapie
Integratives Angebot

Ambulanzen, Tageskliniken und Stationen arbeiten eng verzahnt unter einem Dach: Die Harburger Institutsambulanz mit angegliederter Tagesklinik und den Stationen richtet sich an junge Menschen, ihre Eltern und Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern in psychischer Not. Die Osdorfer Institutsambulanz mit angegliederter Tagesklinik hat sich auf Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sieben und acht bis 18 und 19 Jahren spezialisiert. Darüber hinaus stehen Stationen mit Erwachsenenpsychiatrischer Abteilung unter Leitung von Chefarzt PD. Dr. Daniel Schöttle in der Asklepios Klinikum Harburg und unter Leitung von Chefarzt Dr. med. Ulf Künstler im Asklepios Westklinikum Hamburg zur Verfügung. 

Alle Angebote verfolgen das gleiche Ziel: Auf Grundlage des gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten erarbeiteten Behandlungsplans neue Entwicklungschancen zu eröffnen. 

 „Der Weg in unsere Klinik führt über die Institutsambulanzen“, erläutert Dr. Sabine Ott-Jacobs, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik. „Hier besprechen wir das Anliegen der Patientinnen und Patienten und mögliche Ziele, diagnostizieren die zugrundeliegende psychische Erkrankung und klären, welche Therapie und welches Setting angemessen sind.“ Ein wesentlicher Grund für den Erfolg der teil- und stationären Behandlungen sei, dass die Kinder und Jugendlichen bzw. Familien mit Kleinkindern soweit wie möglich einen aktiven Alltag leben. „So können in der Therapie erarbeitete neue Verhaltens- und Sichtweisen direkt im täglichen Leben und im Austausch mit anderen Patientinnen und Patienten erprobt werden“, berichtet die 53-Jährige. „Aus Erkenntnissen werden Erfahrungen, aus Erfahrungen neue Erkenntnisse.“  Dieser Alltag-Erfahrungsraum sei sehr wertvoll. „Da wird dann was Neues ausprobiert oder bei anderen abgeguckt und siehe da! Es funktioniert! Das erfüllt mit ganz neuer Zuversicht.“

Mit einem vierjährigen Kind oder vierzehnjährigen Jugendlichen muss man anders arbeiten als mit Erwachsenen

Dr. Sabine Ott-Jacobs

Bild: Therapiehund in der Tagesklinik Osdorf
Hilfe für die Kleinsten

Die Harburger Station „Frühe Kindheit und Psychotherapie“ der Abteilungen für Kinder und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie und Psychiatrie und -psychotherapie ist die jüngste Ausdifferenzierung des psychotherapeutisch-psychiatrischen Hilfeangebotes für Kinder und ihre Eltern. Sie wendet sich an Erwachsene, die Eltern sind, die sich aufgrund ihrer eigenen seelischen Not überfordert fühlen, stationäre Behandlung brauchen und ein null- bis sechsjähriges Kind haben, das ebenfalls einer solche Behandlung bedarf oder diese empfohlen bekam. Für sie ist der Schutzraum gedacht: Gemeinsam mit bis zu vier weiteren Familien – in der Regel ein Elternteil mit Kind – leben sie auf einer Station in ihrem eigenen Apartment mit zwei Zimmern und Bad geborgen vor den Zumutungen der Draußenwelt. Drinnen findet ein fein auf die individuellen Bedürfnisse choreographiertes Behandlungsprogramm statt – Einzeltherapie, Elternberatung und Gruppentherapie, Ergo- und Bewegungstherapie, aber eben auch Milieutherapie: gemeinsam spielen, gemeinsam kochen, sich gemeinsam bewegen.

„Für Außenstehende erscheint es zunächst schwer begreiflich, dass bereits zweijährige Kinder so große Probleme haben können, dass sie psychotherapeutisch behandelt werden müssen“, sagt Dr. Sabine Ott-Jacobs. „In der Regel wenden sich ihre Eltern an uns: ihr Kind zeigt erhebliche Entwicklungsverzögerungen oder Verhaltensauffälligkeiten.“

„Sie war taub für ihr Kind“

So bat beispielsweise eine schwerhörige junge Mutter mit einer schweren Depressionserkrankung um Aufnahme auf der Kinder- und Familienstation. Das ambulante Helfersystem hatte sie auf das Angebot aufmerksam gemacht. „Die junge Frau war taub für ihr Kind“, erinnert sich Dr. Sabine Ott-Jacobs. „Wann immer ihr zweijähriger Sohn Lärm machte, nahm sie ihre Hörgeräte raus. Jede kindliche Regung interpretierte sie als Aggression und Grenzüberschreitung, die sie ablehnte und zurückwies.“ Das Kind reagierte mit Wutanfällen, sprach kaum, lief nicht.

Mutter und Kind lebten insgesamt drei Monate auf der Familienstation. In dieser Zeit fing das Kind an zu sprechen und zu laufen. Die Mutter hatte gelernt, sich anders wahr- und anzunehmen. Dadurch veränderte sie ihre Welt – und damit die Welt ihres Kindes.

„Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Bedarf der Betroffenen“, erklärt Dr. Sabine Ott-Jacobs. „Wir benötigen Zeit, um Entwicklungen zu initiieren und zu stabilisieren. Der Druck darf nicht zu hoch, das Programm nicht zu verdichtet sein. Veränderungsprozesse reifen, indem sie immer und immer wieder erprobt und für gut befunden werden.“ Und: „Gemessen an der Zeit, die die betroffenen Menschen mit ihren Schwierigkeiten gelebt und gelitten haben, ist die bei uns verbrachte Zeit denkbar kurz.“

Bild: Kicker-Spieltisch
Multiprofessionelle Teams

Allen Settings ist gemeinsam, dass die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zeit- und personalintensiv ist. „Mit einem vierjährigen Kind oder vierzehnjährigen Jugendlichen muss man anders arbeiten als mit Erwachsenen“, erklärt Dr. Sabine Ott-Jacobs. Weniger sprechen, mehr machen: spielen, schweigen, kreativ sein, Sport treiben. Entsprechend multiprofessionell sind die Behandlungsteams:

In den Tageskliniken beispielsweise arbeiten Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen, Fachkräfte aus Pflege und Sozialarbeit sowie unterschiedlichen Therapierichtungen: Ergotherapie, Kunst und Bewegung. Gemeinsam mit den Jugendlichen im Alter von 7/8 bis 18/19 Jahren gestalten sie deren Tag: morgens Unterricht in der Klinikschule und verschiedene Therapien, nachmittags therapeutische Angebote und therapeutisch sinnvolle Freizeitaktivitäten, abends Erprobung des Gelernten und Erfahrenen zu Hause. Es stehen in beiden Tageskliniken insgesamt zwanzig Plätze zur Verfügung, die durchschnittliche Behandlungsdauer beträgt zwei bis drei Monate.

Die Tageskliniken sind für junge Menschen gedacht, für die eine ambulante Therapie zu wenig, eine stationäre Aufnahme aber zu viel wäre“, erläutert Dr. Sabine Ott-Jacobs. „Es können sämtliche psychische und psychosomatische Krankheitsbilder behandelt werden.“ Ziele der Behandlung können sein, den Menschen psychisch zu stabilisieren, Symptome zu reduzieren, Ressourcen zu stärken und den Alltag zu strukturieren.

Nicht die Zahl der behandlungsbedürftigen Erkrankungen ist gestiegen, sondern das Bewusstsein dafür

Dr. Sabine Ott-Jacobs

Bild: Therapieraum Tagesklinik Osdorf
Lotsenfunktion Ambulanz

Jede Hilfe startet in der Ambulanz: Für ein Erstgespräch warten Eltern noch nicht-schulpflichtiger Kinder in der Regel ein bis drei Wochen, schulpflichtige Kinder und Jugendliche in der Regel bis zu sechs bis zwölf Wochen.  Die Hilfen reichen von einer kinder- und jugendpsychiatrischen und -psychotherapeutischen Diagnostik bis zur mittel- oder langfristigen Therapiearbeit. Die Eltern kommen mit ihrem Kind bzw. Jugendlichen, in Ausnahmefällen auch ohne Kind zum Erstgespräch. „In den Erst- und Folgegesprächen versuchen wir gemeinsam mit den Eltern die Ursachen für die Symptomatik des Kindes zu ergründen: Wofür steht sie? Was verursacht das Verhalten des Kindes?“ erläutert Dr. Sabine Ott-Jacobs. „Da wird noch gar nichts empfohlen, die Gespräche sind Teil der Diagnostik.“ Wie bei der Hausärztin, die Blut abnimmt oder die Lunge abhorcht. Nur eben sprechend.

Manchmal können Eltern von jüngeren Kindern, sobald sie das Problem einmal erkannt, identifiziert und ausgesprochen haben, es bereits aus eigener Kraft angehen. Wenn nicht, wird die Behandlung fortgeführt: in der Ambulanz, in der Tagesklinik oder stationär. Oder auch nicht: Manchmal benötigen Eltern und Kinder gar keine Therapie, sondern andere Unterstützungsangebote: pädagogische Hilfen, schulische Unterstützung und ähnliches.

Sind heute mehr Menschen krank?

Eine Zunahme psychischer Erkrankungen kann Dr. Sabine Ott-Jacobs nicht sicher bestätigen. „Nicht die Zahl der behandlungsbedürftigen Erkrankungen ist gestiegen, sondern das Bewusstsein dafür“, erklärt die gebürtige Essenerin. Dabei richte sich der gesellschaftliche Fokus wellenartig und befristet auf wenige Themen, die sich irgendwann verstetigen und von anderen Themen abgelöst werden. „Aktuell sind das beispielsweise Autismus-Spektrum-Störungen“, erklärt Dr. Sabine Ott-Jacobs. „Wir nehmen seelische Probleme schneller wahr, haben sie ein Stück weit enttabuisiert und akzeptiert“, sagt die Ärztin und Psychotherapeutin. Diese Entwicklung begrüße sie sehr. Aber: „Wir haben noch einen langen Weg vor uns, bis psychisch erkrankte Menschen die gleiche Akzeptanz erfahren wie körperlich erkrankte Menschen. Die Hemmschwelle, sich Hilfe zu holen, ist bedauerlicherweise immer noch sehr hoch.“

Leuchtende Augen

Seit 18 Jahren ist Dr. Sabine Ott-Jacobs als Kinder- und Jugendpsychiaterin und -psychotherapeutin an der Asklepios Klinikum Harburg tätig. Ihre Arbeit fasziniert sie ungebrochen. „Bis heute empfinde ich die therapeutische Arbeit mit Menschen als unfassbar abwechslungsreich“, sagt sie. „Das Fachgebiet hat so ein immens großes Entwicklungspotenzial: im Hinblick auf die Patientinnen und Patienten wie auch fachlich. Jeder Tag konfrontiert uns mit neuen Herausforderungen, auf die wir kreativ und wissenschaftlich fundiert reagieren müssen.“ Und: Jeder Tag sei anders. „Jede Familie ist individuell und mit uns neu auf der Suche. Es ist sehr sinnstiftend, sie dabei zu begleiten und mit ihnen ihre Erfolge zu feiern.“  

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Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik am Asklepios Klinikum Harburg

 

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