Asklepios Kliniken
Bild: Herz mit Rauchverbotzeichen
Rauchstop. Tipps. Raucherentwöhnung.

Geliebtes Laster, verfluchte Sucht

Dass Rauchen ungesund ist, weiß jedes Kind. Die Sucht zu bekämpfen, ist allerdings für die meisten Raucher eine echte Herausforderung. Unsere Experten geben Tipps, wie es mit dem Rauchstopp klappen kann.

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Endlich rauchfrei?!

Wie wäre es mit einem Versprechen auf, sagen wir mal, mehr Freiheit? Nie mehr in der Kälte frieren? Panisch die Umgebung nach Rauchgelegenheiten abscannen? Oder der absolute Horror: Gleich ist die Schachtel leer!

Geht alles. Haben Millionen vor Ihnen schon geschafft. Warum es sich lohnt, wie es geht und wie es Sie schützt, haben wir mit unseren Experten Priv.-Doz. Dr. Gunther H. Wiest, Chefarzt des Zentrums für Atemwegs- und Thoraxmedizin an der Asklepios Klinik HarburgDr. med. Gerasimos Varelis, Chefarzt des LungenZentrums Hamburg-West am Asklepios WestklinikumPD Dr. med. Niels Reinmuth, Chefarzt der Thorakalen Onkologie und Antje Vollmering-Riese, Psychologische Psychotherapuetin der Asklepios Fachkliniken München-Gauting im Gespräch erörtert.

Grafik: Hand zerdrückt Zigaretten
Auf Zuversicht statt auf Angst setzen

„Ich bin immer wieder erstaunt, wer alles die Kraft entwickelt, das Rauchen aufzugeben“, erzählt Antje Vollmering-Riese von den Asklepios Fachkliniken München-Gauting. Als Psychologische Psychotherapeutin berät und begleitet sie lungenkranke Raucherinnen und Raucher während ihres Klinik-Aufenthaltes. Die sehen dem Besuch der Therapeutin an ihrem Krankenbett meist skeptisch entgegen, erwarten sie doch Belehrungen und Schuldzuweisungen, zumindest aber einen Vortrag über die Folgen und Schäden des Tabakkonsums. „Das wissen unsere Patientinnen und Patienten aber alles selbst“, erklärt die Therapeutin. Mit Abschreckung erreiche man gar nichts. Antje Vollmering-Riese setzt nicht auf Angst, sondern auf Zuversicht. Studien haben gezeigt: Je zuversichtlicher sich jemand einer Sache annimmt, desto eher schafft er sie.

Den Grad der Zuversicht hält die Therapeutin auf einem Blatt Papier mit gezeichnetem Thermometer fest: 10 Grad? 40? 90? 70 von 100 sind schon mal gut. Und sie setzt auf Überraschung. „Als erstes frage ich immer, was aus Sicht meiner Patientinnen und Patienten die Vorteile des Rauchens sind“, erzählt sie. „Da sind dann alle erst mal irritiert. Dass man das darf! In dieser Situation!“ Die Gründe sind vielfältig: Entspannung, Geselligkeit, Stressabbau. Wer das ehrlich mitteilen darf, spricht auch offen über seine Sorgen. Etwa, dass man sich vor den Entzugserscheinungen fürchtet. Oder vor dem „nie wieder!“ Dass man über den Verlust auch trauern wird. Und darf. Wenn das geschafft ist, kann man Pläne machen.

100 gute Gründe mit dem Rauchen aufzuhören...

Grafik: Schaden am Körper
„Jeder rauchfreie Tag ist ein Geschenk für die Lunge“

ermutigt Dr. Gerasimos Varelis, Chefarzt des Asklepios LungenZentrums Hamburg-West. „Sie ist eines der wichtigsten Organe des menschlichen Körpers. Kein anderes außer der Haut ist der Umwelt so stark ausgesetzt und deshalb so gefährdet und verletzlich.“ Mit jedem Atemzug inhaliere man das, was an Schadstoffen in der Luft drin sei. Das sind beim Rauchen bis zu 200 giftige Substanzen, mindestens 40 von ihnen zählen zu den krebserregenden Stoffen: Feinstaubpartikel, die sich in der Lunge festsetzen, die Atemwege verengen, verkleben, zerstören – betroffene Menschen wissen das alles. Wer mehr als zwanzig Jahre täglich eine Schachtel raucht, gehört zur Hochrisikogruppe. Das ist die, die mit zunehmendem Alter mit hoher Wahrscheinlichkeit eine rauchertypische Erkrankung erleidet: chronische Bronchitis oder COPD, Schädigungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Gefäße, Schlaganfälle, Herzinfarkte, Typ-2-Diabetes oder Krebs. Alles fürchterlich. Je früher und je mehr man raucht, desto gefährdeter ist man. Warum wird trotzdem immer noch geraucht?

„Wenn man 20 ist, denkt man nicht an 50“

erklärt Dr. Gunther Wiest, Chefarzt des Zentrums für Atemwegs- und Thoraxmedizin an der Asklepios Klinik Harburg. „Da lautet die Devise eher: Lebe wild und gefährlich!“ Der Körper mache das ja auch alles mit: „Junge Menschen spüren in der Regel keine Einschränkungen“, so der Internist. „Die Masse der Probleme entsteht erst ab 50.“

Zwar hat sich das Gesundheitsbewusstsein bei einem Großteil der jungen Leute stark gewandelt. Vieles, was im 20. Jahrhundert cool war, ist heute verpönt. Dazu gehört auch der Tabakgenuss, aber eben nicht für alle. Pneumologe Dr. Wiest: „Früher haben die Wohlhabenden und Intellektuellen geraucht, heute vor allem Menschen aus finanziell ärmeren und bildungsferneren Schichten.“ Besorgniserregend sei zudem der Trend zu E-Zigaretten und Wasserpfeifen. Zwar sei es für einen starken Raucher allemal besser, die weniger schadstoffhaltige E-Zigarette zu dampfen. Als Mittel zum Ausstieg aus dem Tabakkonsum sei sie sogar zu empfehlen. Für alle anderen aber stelle sie eine mögliche Einstiegsdroge dar. Dr. Wiest: „Die Industrie wirbt um junge Leute und vermarktet die E-Zigarette als Lifestyle-Produkt. Die fangen dann erst mal an zu dampfen und später an zu rauchen.“

Grafik: Shisha rauchen
Eine Shisha-Session entspricht bis zu 100 gerauchten Zigaretten

Die Sorge um die Gesundheit umfasst auch die Wasserpfeife. „Viele glauben, in ihr eine weniger schädliche oder gar unschädliche Alternative zum Tabakrauch gefunden zu haben“, so Dr. Wiest. Das sei aber ganz und gar nicht der Fall: „Die im Shisha-Tabak enthaltenen giftigen Substanzen werden durch das Wasser nicht herausgefiltert, der Rauch wird lediglich gekühlt. Dadurch lässt er sich angenehm und noch tiefer einatmen als der einer herkömmlichen Zigarette.“ Für junge Leute sei diese Form des geselligen Tabakrauchens besonders attraktiv. Der Arzt warnt: „Wir müssen aufpassen, dass wir das, was wir über jahrzehntelange Aufklärungsarbeit erreicht haben, über E-Zigaretten und Wasserpfeifen nicht wieder verlieren.“

Doch viele Raucherinnen und Raucher von heute sind nicht zwanzig, sondern in den 1950er, 1960er, 1970er, 1980er Jahren geboren. Meist haben sie als Jugendliche angefangen, aus den immer gleichen Schwierigkeiten mit dem Erwachsenwerden. In ihrer Zeit gehörte Rauchen, Passivrauchen, Kinder in verqualmten Wohnzimmern wie selbstverständlich dazu. Bis 2007 war es sogar überall erlaubt: in Gebäuden, Zügen, Restaurants! Heute unvorstellbar. Viele von ihnen haben zahlreiche Rauchfrei-Programme hinter sich: die Schlusspunktmethode, das Ausschleichen, der Einsatz von Kaugummis, Pflaster, Sprays und Medikamenten. Sie haben es mit Sport, mit gesunder Ernährung, sogar mit Hypnose versucht. Alles vergeblich. Wie kommen sie von den Zigaretten los?

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Einfach aufhören! Holen Sie sich Unterstützung

1. Lassen Sie sich durch Ihren Haus- oder einen Facharzt beraten

 

2. Prüfen Sie die Angebote Ihrer Krankenkasse, die je nach Kasse unterschiedlich sein können und zum Teil Verlinkungen zu zertifizierten Gesundheitskursen bieten

 

3. Bestellen Sie Informationsmaterialien bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) oder bei der Stabstelle Krebsprävention im Deutschen Krebsforschungszentrum

Das rauchfreie Leben visualisieren

„Das Beste ist, man bringt einen gewissen Ärger mit“, erklärt Antje Vollmering-Riese. „Sowas wie: ‚Mich nervt das viele Geld!‘ Oder: ‚Dieser ewige Husten!‘“ Ärger biete eine gute Ausgangslage, um Wünsche zu formulieren und zu visualisieren. „Also nicht nur abstrakt denken: ‚Ich will gesund leben!‘, sondern konkret vorstellen: ‚Ich wache jeden Morgen erholt auf und starte kraftvoll in meinen Tag.‘“ Das Wichtigste sei, eine eindeutige und klare Entscheidung zu treffen, so die Therapeutin: „Jedes ‚aber’, ‚vielleicht‘ oder ‚ich würde ja gern‘ schmälert den Mut und den Durchhaltewillen.“ Wenn ihre Patientinnen und Patienten ein ‚aber‘ formulieren, arbeitet sie mit ihnen daran, es in ein ‚unbedingt‘ zu verwandeln. Gemeinsam schauten sie auf die Ressourcen, beispielsweise ein unterstützendes Umfeld oder eine sinnstiftende Tätigkeit. Ziele lässt Antje Vollmering-Riese aufschreiben, so persönlich und handlungsleitend wie möglich: „Ich will die Treppe wieder hochlaufen können!“ oder „Ich will wieder leben, nicht nur funktionieren“. Da der Klinikaufenthalt für ein komplettes Raucherentwöhnungsprogramm zu kurz ist, vermittelt sie ihre Klienten und Klientinnen auf Wunsch an externe Anbieter. Es gibt Präsenz- und Onlinekurse, Einzel- und Gruppentherapien, Telefonberatung und Selbsthilfematerialien. Für manche kommt ein medikamentös unterstützter Rauchstopp in Frage. Gesetzliche Krankenkassen bezuschussen in der Regel Kurse zur Raucherentwöhnung.

Grafik: Bizeps Pose
Einfach 200 Kalorien mehr verbrennen – und man wird nicht dick

Auch die ewige Befürchtung, sofort zehn Kilo zuzunehmen, kann Antje Vollmering-Riese entkräften: „Es geht um rund 200 Kilokalorien täglich“, erläutert die Psychotherapeutin. „Nikotin stimuliert unseren Körper, deshalb verbrauchen Raucher mehr Kalorien.“ Das sind die, die der Ex-Raucher ansammelt – sofern er nichts an seiner Ernährung und Bewegung ändert. Wenn er etwas ändert, normalisiert sich das Gewicht.

Wer das alles schafft, gewinnt Freiheit. Freiheit von und für etwas. Von dem ewigen Getriebensein, zum Beispiel. Der Hetze und Unruhe. Dem Nebel, der über allem liegt. Keine scheelen Blicke mehr. Kein Stehen im gelb umrandeten Quadrat der Raucherbox am Flughafen! Freiheit auch für etwas: für mehr Ausgeglichenheit, Ruhe und Leistungsfähigkeit. Für Gefühle, die sich wieder nach was anfühlen. Alles gute Gründe. Und wenn es mal brenzlig wird? Dann hilft das Bild von früher: man selbst, morgens um sieben mit Kaffee, rauchend, frierend auf dem Balkon.

Hilft regelmäßige Vorsorge?

Nicht mehr oder weniger als bei anderen Erkrankungen. Zwar konnte ein in den USA durchgeführtes Screening-Verfahren die Sterblichkeit von Raucherinnen und Rauchern um rund 20 Prozent senken. Dabei nahm die Zielgruppe einmal jährlich an einer Computertomographie teil. Das Verfahren hatte jedoch erhebliche Nachteile, beispielsweise eine hohe Rate an falsch-positiven Befunden. Auch die schädliche Strahlung war nicht zu unterschätzen. In Deutschland sind daher aktuell weder CT- noch Röntgen-Screenings geplant.

Heißt: Sie kommen nicht drumrum. „Der beste Schutz vor Lungenkrebs bleibt der Rauchstopp“, erklären alle befragten Expertinnen und Experten. „In neun von zehn Fällen wird das Karzinom durch das Rauchen ausgelöst“, bekräftigt Dr. Gerasimos Varelis vom LungenZentrum Hamburg-West. „Tumore in der Lunge mit sehr guten Heilungschancen werden oft zufällig entdeckt, diese können dann problemlos operiert werden. Oft aber ist leider keine Operation mehr möglich, da bei zwei Drittel der Betroffenen der Krebs bereits gestreut hat.“ Ziel der Behandlung sei dann nicht mehr die Heilung, sondern der Erhalt der Lebensqualität durch eine personalisierte, individuelle Behandlung.

Grafik: Rauchstopp
Es ist nie zu spät für einen Rauchstopp

„Lungenkrebs ist der Tumor, der am häufigsten zum Tode führt“, ergänzt auch Chefarzt Dr. Niels Reinmuth von den Asklepios Fachkliniken München-Gauting. „Trotzdem stellt er nicht das Hauptrisiko dar: Jeder Zehnte bekommt Krebs, aber jeder Zweite COPD.“ Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung verläuft schleichend und führt in schwerwiegenden Fällen zu ständiger Luftnot, die über ein Beatmungsgerät ausgeglichen werden muss.

All das kann man stoppen. „Wer mit dem Rauchen aufhört, erreicht zwar in der Regel nicht mehr die Lungengesundheit eines Menschen, der nie geraucht hat“, erklärt Dr. Reinmuth. „Aber er kann Verschlechterungen aufhalten.“ Vieles werde auch einfach besser: der Blutdruck, der Husten, das Atmen. Das Risiko, an raucherbedingten Krebs zu erkranken, halbiert sich nach fünf Jahren, nach weiteren fünf entspricht es dem eines Nichtrauchers. Selbst schwer erkrankten Patientinnen und Patienten seiner Klinik rät Chefarzt Niels Reinmuth noch zum Nikotinverzicht: „Die OP wird besser überstanden, die Therapie besser vertragen. Wir können die Entwicklung weiterer Tumorzellen unterbinden und rauchbedingte Lungenschäden wie chronischer Husten lindern. So entsteht Hoffnung auf einen guten Therapieerfolg.“

Weltnichtrauchertag 2021 - Rauchen und Covid-19

immer ins Lungenzentrum!

Der Therapieerfolg gelingt allerdings nur, wenn die Erkrankung in einer spezialisierten Klinik diagnostiziert und behandelt wird. Dr. Niels Reinmuth: „Bitte suchen Sie immer ein auf Krebs spezialisiertes Zentrum auf. Lungenkrebs ist ein äußerst komplexer und schwer zu behandelnder Tumor. Je mehr Fachwissen, Routine und spezialisierte Medizintechnik in einer Klinik vorhanden sind, desto größer sind die Behandlungschancen.“ Und Dr. Gerasimos Varelis ergänzt: „Ein lungenkrebskranker Mensch ist ein schwer kranker Mensch. Er benötigt ein Höchstmaß an individueller Zuwendung.“ In seinem Zentrum habe er sich ein „ganz wunderbares Team“ zusammengestellt, das jeden Patienten, jede Patientin mit sehr viel Feingefühl behandelt. „‘Mit Herz dabei für Ihre Lunge‘ lautet unser Leitgedanke“, sagt Dr. Varelis. „Deshalb haben wir doch alle Medizin studiert: um Menschen zu helfen.“ Und genau deshalb wünscht er sich, gerade Sie nicht auf seiner Station kennenzulernen. Denn Sie holen sich jetzt und vorher Hilfe.

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Rat und Hilfe!

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